E i n   C l o w n   i m   E i n s a t z

 

“Hallo, guten Tag allerseits“...

„Oh, der Clown, da werden sich die Kinder freuen“...

 

Nach einer kurzen organisatorischen Absprache mit den Betreuerinnen der Epilepsiestation, über Anwesenheit, Anzahl und Alter der Kinder auf den verschiedenen Gruppen, gehe ich mich umziehen und schminken.

Bald schon bin ich soweit, die Clownsnase aufgesetzt, ein paar Grimassen, lächle dem Maronigesicht im Spiegel zu: “Machs gut !“   ...und es geht los...

 

Zuerst besuche ich die Kleinen. Sie haben sich alle zusammen im Spielraum versammelt und warten schon...Ich klopfe an die Tür, luge mit meinem Clownsgesicht durch die Scheibe, einzelne Kinder schauen auf und entdecken mich...“Der Clown, der Clown“...

Ich öffne die Tür, hupe mit meiner Clownshupe, „darf ich reinkommen?“

„Ja Maroni, komm rein“, begrüßt mich die Betreuerin.

 

Ein paar Kinder sind schon erwartungsvoll aufgesprungen und umringen mich, andere sind noch in ihr Spiel vertieft, nehmen mich noch nicht wahr...

 

Nun gehe ich vom Einen zum Andern und begrüße sie...“Hallo, wer bist Du denn?

Ich bin Maroni, ich bin ein Clown“...

„Das sehen wir, dass Du ein Clown bist“, ruft ein ganz aufgewecktes Kind...“Dürfen wir mit Dir den Koffer auspacken“...

 Der Junge ist schon einige Wochen auf der Station und wir kennen uns schon...Er kommt zu mir, drückt auf meine Clownshupe und zieht mich zum kleinen Tisch, damit ich doch nun meinen Koffer auspacke...

Da sind nämlich meine Freunde drin und die Zauberkiste.

Das Stichwort „Koffer“ ist gefallen...Nun gehe ich noch mal von Kind zu Kind und alle dürfen auf die Clownshupe drücken, welche am Koffer befestigt ist...

Für einige dieser zum Teil mehrfachbehinderten Kinder ist der Klang der Hupe, ja sind es vor allem die Klänge, welche bei ihnen ankommen und ihnen ein erstes Lächeln übers Gesicht zaubern...Die Neugier ist geweckt und aufmerksam beobachten sie nun, wie Luca an meinem Koffer zieht und „aufmachen, bitte aufmachen“ ruft...

 

Es ist wie ein Ritual für die Kinder, die schon länger dabei sind, immer wieder wollen sie das Gleiche erleben. Und so ist das „Koffer auspacken“ ein beliebtes Spiel geworden, das nun auch die neuen Kinder veranlasst, näher zu kommen...

 

Zuerst lösen wir nun das Seil, welchen um den Koffer gebunden ist, und befreien den „Kofferwärter“, den Klettermax, ein kleiner schwarzer Plüschkater, welcher die Scharniere bewacht, damit sie nicht zu früh aufspringen und die andern Freunde herausfallen. Für Klettermax  wird nun ein Ort gefunden, wo er abseilen kann...“ An Fenster“, ruft Jessica , welche die „Zeremonie“ auch schon kennt, „da kann er rausschauen“...

 

Dann folgt die Beschwörung der Schnallen, die doch so gerne klemmen.. “Sesam öffne Dich“...und schon öffnet sich der Koffer und als erste lugt Sara-Marara über den Kofferdeckel...Sara Marara ist eine handgestrickte Teddy-Dame und wird als „ heimliche Schwester des Teddy von Mister Bean“ vorgestellt...Wer möchte auf Sara Marara aufpassen? Schon landet sie im Arm

eines kleinen Mädchens und wird dort liebevoll auf den Schoss gesetzt...

 

Als Nächste klettert Clara aus dem Koffer. „Eine Giraffe, eine Giraffe“....

Clara hat einen weichen  Bauch und liebt es, wenn die Kinder ihr über ihren dicken Bauch streicheln.. So geht Clara von Hand zu Hand

 und wählt sich ihren Sitzplatz auf der Hand der Praktikantin aus...

 

Luca ist schon eifrig dabei und will helfen, den Koffer auszupacken...“Wen suchst Du, Luca“, frage ich ihn...“Boxen“, sagt Luca...Ah, der „“Boxhandschuh“... Ich streife ihn über meine Hand und Luca und der „Boxhandschuh“ spielen miteinander...“und boxen...und boxen...und  streicheln“...Der „Boxhandschuh“ ist nämlich gar keiner, sondern ab und zu öffnet er sich vorne und der Kopf von Tusnelda, einer Schildröten-Handpuppe, schaut hervor...Nun ist es an Luca, schnell zu wechseln vom Boxen zum Streicheln, denn Tusnelda mag es nicht, wenn man ihr auf den Kopf haut...Bei dem dicken  Panzer, unter dem sie sich als „Boxhandschuh“ tarnt, macht es ihr nichts aus...Zum Abschluss geht Tusnelda an den kleinen Kinderfingern „knabbern“ und gleich strecken die Kinder ihr die Finger entgegen...Auch Tusnelda sucht sich einen „Sitzplatz“ , um beim Zaubern zuzuschauen...

 

Jetzt ist die Zeit fürs Zaubern gekommen...Die Kinder nehmen einen „Sicherheitsabstand“ von einem Meter. Das ist nötig, weil sie sonst in ihrem Eifer gleich den ganzen Koffer ausräumen würden und einander die Sachen aus den Händen reißen (Erfahrungswert).

Zauberhut, Zauberstäbe, schwarzer Kater, Zaubersalz und „Herzen drücken“

werden verteilt und unser Gemeinschafts-Zauber kann beginnen.

Der Koffer bekommt eine magische Tischdecke und verwandelt sich in einen „Zaubertisch“...

Nun wird sowieso alles “zauberhaft“, vor allem das strahlende stolze Lächeln der Kinder, wenn sie etwas gezaubert haben.

Das ist für mich die wahre Magie von Maroni, dieses Lächeln hervorzuzaubern, alles andere ist Trick...und auch Geheimnis...und deshalb wird es hier auch nicht erzählt...

 

Nach dem Zaubern, wenn alles wieder in der Zauberkiste versorgt ist, zeigt sich noch „Herr Storch“, wie die Vogelmarionette von den Kinder getauft wurde.

Herr Storch wandert mit seinen Holzfüßen von Pantoffel zu Pantoffel und bekundet, ob denn hier was zu picken wäre oder sich gar irgendwo ein Frosch versteckt hätte...

 

Und zum Abschluß kommt dann natürlich noch „das freche Krokodil“, welches eingesperrt ist in der Postautotasche. Dort befinden sich auch die bunten Modellierballons und im Nu entstehen daraus, mit Hilfe der kleinen Handpumpe, welche die Kinder meist selbst betätigen wollen, allerlei „aufgeblasene Gesellen“...ein Hündchen, na ja, ein Langbauch-Dackel, eine Langhals-Giraffe, ein Herz, ein Blitz, ein Gummi-Schwert, oder einfach eine superlange Banane...

 

Plötzlich steht Philipp neben mir, der bisher teilnahmslos beschäftigt war, an großen Duplotürmen zu bauen und unserem Treiben keine sichtbare Beachtung geschenkt hatte, auch nicht, als mein kleiner „Piepsie“ sich ganz forsch auf seinen höchsten Turm gesetzt hatte... Er möchte einen gaaaanz langen Ballon, beginnt er  mit stockender Stimme zu bitten. Ich sehe, er kämpft mit den Worten, das Kommunizieren mit Andern scheint ihm schwer zu fallen...Doch mit bettelnden Augen steht er vor mir und versucht zu formulieren, was er möchte.

„Kannst Du zeichnen?“, frage ich ihn....Philipp nickt. „Dann zeichne mir doch auf, was Du genau möchtest und ich versuche dann, ob ich den Ballon so formen kann“...Aha, es soll eine Spirale werden mit einem langen Teil, das herauslugt, sieht aus wie eine Schnecke...Philipp strahlt und verzieht sich dann aber gleich wieder mit seinem Schatz.

 

Nun geht es ans Abschied nehmen. Wir sammeln alle „Freunde“ ein, der Koffer wird verschlossen...Ach ja, Klettermax muss auch noch mit kommen...

Ich gehe zu jedem Kind und verabschiede mich, ab und zu gibt es noch eine „Hände-Schüttel-Massage“...   -  Philipp sieht und hört mich nicht...

Doch dann kurz bevor ich zur Tür heraus will, schaut er auf, springt auf mich zu und umarmt mich...“Danke“...flüstert er...

„OOOOHHHH“, das hat mich, den Clown, aber glücklich gemacht...

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